Nexus Gruppe oder Kanzleipakt: Entwicklungsgemeinschaft oder Verbund, der mitarbeitet
Kanzleipakt und die Nexus Gruppe nehmen beide keine Anteile an Kanzleien und richten sich beide an Inhaber, die Digitalisierung, KI und Organisation nicht mehr allein stemmen wollen. Sie unterscheiden sich in dem, was das Mitglied bekommt: Kanzleipakt liefert Werkzeuge, Vergleichszahlen und gemeinsame Entwicklungsprojekte, die die Kanzlei selbst umsetzt. Die Nexus Gruppe übernimmt die Umsetzung mit eigenen Mitarbeitern. Dazu kommt die Größe: Die Beitragstabelle von Kanzleipakt beginnt bei 50 Mitarbeitern, die Nexus Gruppe richtet sich an inhabergeführte Kanzleien mit etwa zehn bis vierzig Mitarbeitern.
Woher die Angaben stammen
Alle Aussagen zu Kanzleipakt stammen von kanzleipakt.de, den dortigen Seiten zur Mitgliedschaft und zur Mission, dem Impressum sowie einem Bericht von JUVE Steuermarkt vom 17. März 2026, abgerufen am 29. Oktober 2026. Die Aussagen zur Nexus Gruppe beschreiben das Modell, wie der Verbund es seinen Partnerkanzleien anbietet. Wir stellen gegenüber, was beide Seiten öffentlich beschreiben. Welches Modell passt, hängt von der Größe Ihrer Kanzlei und davon ab, wer bei Ihnen umsetzt.
Das Modell: Entwicklungsgemeinschaft oder Verbund, der mitarbeitet
Kanzleipakt nennt sich auf der Startseite Verbund mittlerer und größerer Steuerkanzleien und Netzwerke. In den häufigen Fragen grenzt sich Kanzleipakt ausdrücklich von einer Kooperation und einer Interessensvertretung ab und beschreibt sich als Entwicklungs- und Umsetzungsgemeinschaft. Träger ist die Kanzleipakt GmbH in Berlin, Geschäftsführer ist Ulf Hausmann. Initiiert haben Kanzleipakt 2025 Carsten Schulz und Ulf Hausmann. Die Mitglieder bestimmen über gemeinsame Innovationsprojekte, teilen sich Entwicklungskosten für Software und KI-Anwendungen und nutzen die Ergebnisse lizenzkostenfrei. Kanzleipakt übernimmt dabei das Projektmanagement. Die individuellen Kosten für die Einführung in der eigenen Kanzlei trägt laut JUVE Steuermarkt die jeweilige Kanzlei. Den Ablauf fasst die Website mit dem Satz „Du wählst, wir begleiten.“ zusammen.
Die Nexus Gruppe ist ein Kooperationsverbund rechtlich und wirtschaftlich eigenständiger Steuerkanzleien. Hinter den Partnerkanzleien steht Nexus Services, eine Servicegesellschaft mit eigenen Mitarbeitern, die die Aufgaben neben der Mandatsarbeit übernimmt: Sie führt die Erstgespräche mit Bewerbern, richtet KI-Anwendungen in der Kanzlei ein und schult das Team, betreut Website und Anzeigen und führt einheitliche Abläufe ein. Die Kanzlei entscheidet, der Verbund setzt um.
In einem Satz: Bei Kanzleipakt bekommen Sie Werkzeuge und Vergleichszahlen und setzen selbst um, bei der Nexus Gruppe bekommen Sie Mitarbeiter, die umsetzen.
Was die Mitgliedschaft enthält
Kanzleipakt nennt zwei Bausteine. Kanzleipakt Insights ist ein Kanzleicontrolling auf Basis von Power BI und DATEV-Daten mit Wirtschaftlichkeitsanalysen zu Mandantenrentabilität, Stundensatz und Auslastung, Vergütungsanalysen nach StBVV und einem freiwilligen, anonymisierten Kennzahlenvergleich zwischen den Mitgliedern. Kanzleipakt Engage umfasst die Mitbestimmung bei Innovationsprojekten, den Zugang zu gemeinsam entwickelten Software- und KI-Lösungen, ermäßigte Konditionen beim Zukauf von Lösungen, den Austausch mit anderen Mitgliedern und die Möglichkeit, sich für das Steuerungsgremium zu bewerben.
Die Nexus Gruppe erbringt ihre Leistungen über Nexus Services: eine KI-Abteilung, die Anwendungen prüft, einrichtet und schult; zentral entwickelte Automatisierungen für die Finanzbuchhaltung; Personalgewinnung mit Stellenanzeigen unter dem Dach der Gruppe, einem gemeinsamen Bewerberpool und Erstgesprächen durch den Verbund; Marketing für die Partnerkanzleien; einheitliche Standards in Abläufen, Vorlagen und Fristenkontrolle; die Nexus Akademie für Mitarbeiterschulungen; den fachlichen Austausch mit Berufskollegen im Verbund.
Beide überschneiden sich bei KI, Automatisierung und Austausch. Kanzleipakt ist stärker beim Kanzleicontrolling und beim Kennzahlenvergleich, die Nexus Gruppe stärker bei Personalgewinnung, Marketing und der Umsetzung in der Kanzlei. Ein Kennzahlenvergleich zwischen Partnerkanzleien gehört bei der Nexus Gruppe derzeit nicht zum Leistungsumfang.
Für wen welches Modell gedacht ist
Kanzleipakt richtet sich an mittelgroße und größere Kanzleien. Die Beitragstabelle auf der Website beginnt bei 50 Mitarbeitern, und auch Kanzleien mit über 100 Mitarbeitern sind ausdrücklich willkommen. Die Website führt im Oktober 2026 26 Kanzleien und Netzwerke als Mitglieder auf, darunter HSP Steuer, awicontax und PKF WMS. Technische Voraussetzung ist DATEV als zentrales Kanzleisystem, für das Controlling-Werkzeug zusätzlich DATEV Eigenorganisation Comfort, DATEV DMS wird empfohlen.
Die Nexus Gruppe richtet sich an inhabergeführte Kanzleien mit etwa zehn bis vierzig Mitarbeitern, die zu groß sind, um Personal, Digitalisierung und Organisation nebenbei zu erledigen, und zu klein, um dafür eigene Abteilungen aufzubauen. Technische Voraussetzung ist auch hier DATEV, DATEV DMS ist wünschenswert.
Die Größe entscheidet oft schon allein. Eine Kanzlei mit 15 Mitarbeitern liegt unterhalb der Kanzleipakt-Staffel, eine Gesellschaft mit 120 Mitarbeitern hat meist eigene Leute für Personal und IT und braucht eher Werkzeuge als Umsetzung. Bei 40 bis 50 Mitarbeitern liegt der Übergang, und dort entscheidet die Frage, ob Sie jemanden haben, der Projekte in der Kanzlei zu Ende bringt.
Kosten und Bindung
Kanzleipakt nennt seine Konditionen öffentlich: 689 Euro im Monat zuzüglich Umsatzsteuer, und zwar in jeder Stufe der Tabelle von 50 bis 249 Mitarbeitern. Bei jährlicher Zahlung sind es 7.855 Euro, das entspricht fünf Prozent Rabatt. Mitglieder binden sich für mindestens zwölf Monate, die Mitgliedschaft ist mit drei Monaten Frist kündbar.
Die Nexus Gruppe arbeitet mit einer monatlichen Servicepauschale, die sich nach der Kanzlei richtet und im Erstgespräch besprochen wird. Es findet keine Beteiligung statt, die Kanzlei bleibt Eigentum des Inhabers.
Beide Modelle lassen die Kanzlei also unangetastet. Der Unterschied liegt darin, was für den Beitrag geliefert wird: bei Kanzleipakt Zugang zu Werkzeugen und Projekten, bei der Nexus Gruppe Arbeitszeit von Mitarbeitern der Servicegesellschaft.
Drei Fragen für das Gespräch mit beiden
- Wer setzt in meiner Kanzlei um, wenn das Werkzeug oder die Anwendung da ist, und wie viele Stunden im Monat braucht das?
- Welche Leistungen erbringt der Verbund mit eigenen Mitarbeitern, und welche liefert er als Werkzeug oder Empfehlung?
- Was passiert mit Daten, Anwendungen und Bewerbern, wenn ich wieder aussteige?
Stellen Sie diese Fragen beiden Seiten in derselben Woche. Die Antworten zeigen, ob Sie eine Entwicklungsgemeinschaft oder einen Verbund brauchen, der mitarbeitet.
Die Modelle im Überblick
| Kriterium | Kanzleipakt | Nexus Gruppe |
|---|---|---|
| Modell | Entwicklungs- und Umsetzungsgemeinschaft, ausdrücklich keine Kooperation | Kooperationsverbund mit eigener Servicegesellschaft |
| Eigentum an der Kanzlei | beim Inhaber | beim Inhaber |
| Zielgruppe | mittelgroße und größere Kanzleien, Beitragsstaffel ab 50 Mitarbeitern | inhabergeführte Kanzleien mit etwa zehn bis vierzig Mitarbeitern |
| Technische Voraussetzung | DATEV als zentrales System, für Insights DATEV EO Comfort, DATEV DMS empfohlen | DATEV, DATEV DMS wünschenswert |
| Kernleistungen | Kanzleicontrolling (Insights), anonymisierter Kennzahlenvergleich, gemeinsame Entwicklung von Software und KI, ermäßigte Einkaufskonditionen, Austausch | KI-Einrichtung und Schulung, Automatisierung, Personalgewinnung mit Bewerberpool und Erstgesprächen, Marketing, Kanzleiorganisation, Akademie, Austausch |
| Wer setzt in der Kanzlei um | die Kanzlei selbst, Kanzleipakt führt das Projektmanagement | Nexus Services mit eigenen Mitarbeitern |
| Konditionen | 689 € im Monat zzgl. USt (50 bis 249 Mitarbeiter), Bindung mindestens 12 Monate, 3 Monate Kündigungsfrist | monatliche Servicepauschale, kündbar, keine Beteiligung |
| Mitglieder (Stand Okt. 2026) | 26 Kanzleien und Netzwerke laut Website | 16 Partnerkanzleien |
| Start | 2025 | 2026 |
Quellen: kanzleipakt.de (Startseite, Mitgliedschaft, Mission, Impressum), JUVE Steuermarkt vom 17.03.2026, Leistungsbeschreibung der Nexus Gruppe. Abgerufen am 29.10.2026.
Häufige Fragen
- Ist Kanzleipakt ein Kanzleiverbund?
- Kanzleipakt nennt sich auf der Startseite Verbund, grenzt sich in den häufigen Fragen aber ausdrücklich von einer Kooperation ab und beschreibt sich als Entwicklungs- und Umsetzungsgemeinschaft. Mitglieder entwickeln gemeinsam Werkzeuge und teilen Kennzahlen, die Kanzleien bleiben ansonsten unabhängig voneinander.
- Kann eine Kanzlei mit 20 Mitarbeitern bei Kanzleipakt Mitglied werden?
- Die veröffentlichte Beitragstabelle beginnt bei 50 Mitarbeitern. Ob kleinere Kanzleien aufgenommen werden, klärt Kanzleipakt im persönlichen Gespräch. Die Nexus Gruppe richtet sich an inhabergeführte Kanzleien mit etwa zehn bis vierzig Mitarbeitern.
- Brauche ich DATEV für die Nexus Gruppe?
- Beide setzen DATEV voraus. Die Nexus Gruppe wünscht sich zusätzlich DATEV DMS, Kanzleipakt verlangt für das Controlling-Werkzeug DATEV Eigenorganisation Comfort und empfiehlt DATEV DMS.
- Kann ich in beiden gleichzeitig Mitglied sein?
- Aus Sicht der Nexus Gruppe spricht nichts dagegen, weil der Verbund keine Exklusivität verlangt. Ob Kanzleipakt eine parallele Mitgliedschaft zulässt, müssen Sie dort erfragen. Sinnvoll ist die Doppelmitgliedschaft nur für Kanzleien ab 50 Mitarbeitern, die sowohl Kennzahlenvergleich als auch Umsetzung von außen wollen.
Stellen Sie uns die drei Fragen
In einem unverbindlichen Erstgespräch beantworten wir, welche Leistungen die Nexus Gruppe mit eigenen Mitarbeitern erbringt, wie viel Zeit die Umsetzung in Ihrer Kanzlei kostet und was beim Ausstieg passiert. Danach wissen Sie, ob der Verbund zu Ihrer Kanzlei passt.